Doppelspitze in Frankfurt
Oft fragen Journalisten, was sie anders machen wolle als Oskar Lafontaine, eröffnet Gesine Lötzsch ihren Beitrag. Darauf eine Antwort zu geben, fällt ihr nicht schwer. "Es geht darum, die Ziele umzusetzen, mit denen wir angetreten sind und für die wir gewählt worden sind". So sei Hartz IV noch immer nicht abgeschafft und der flächendeckende Mindestlohn noch nicht in Sicht. Bis es soweit ist, sehe sie keinen Bedarf neue Ziele zu definieren, so Gesine. Zumal an die bestehenden Ziele eine direkte Erwartungshaltung der Menschen geknüpft sei. "Das nehme ich sehr ernst", unterstrich sie.
Als Fehler bezeichnete die designierte Parteichefin, dass das 2007 entwickelte Programm mit "Progammatische Eckpunkte" betitelt wurde. Die LINKE hätte ja noch nicht einmal ein Programm, wurde dardurch des Öfteren im Bundestag gehöhnt. Um so wichtiger, dass die Debatte um den nun vorliegenden Programmentwurf offen geführt würde. "Wir müssen die Menschen für unsere Ziele begeistern und sollten nicht hinter verschlossenen Türen diskutieren."
Ein besonderer Dorn im Auge, bemerkt Gesine, sei ihr der Lobbyismus in der Politik. Man solle sich doch mal vorstellen, Politiker/innen würden, wie Fußballtrainer, die Logos ihrer Sponsoren am Revers tragen. Die Vertreterinnen und Vertreter der LINKEN könnten weiterhin gut gekleidet im Bundestag auftreten. Herr Westerwelle würde mit Mövenpick-Button ans Mikro treten müssen. Im Publikum konnte man sich das Schmunzeln über dieses Bild nicht verkneifen.
Dass man in der Politik nicht zimperlich sein darf, lernte Gesine spätestens 1990. In der Stadtverordenetenversammlung Berlin-Ost wurde sie Mitglied im 'Ausschuss für die Einheit Berlins'. "Da wurde mir schnell klar, dass man richtig kämpfen und stark für seine Interessen einstehen muss".
Diese Einstellung brauchte sie auch, als sie 2002 mit Petra Pau als direkt gewählte PDS-Vertreterin in den Bundestag einzog (die Partei scheiterte allerdings an der 5-Prozent-Hürde). Wolfgang Thierse begrüßte damals, dass man nun wieder eine Fraktion weniger im Bundestag habe. Eine Aussage die nicht unwidersprochen blieb. In ihrem Redebeitrag erwiderte Gesine damals, dass er sich nicht zu früh freuen solle. Bei der nächsten Wahl wäre man wieder dabei. Und damit sollte sie recht behalten.




