Dresden nazifrei – fast !
Über 12 Jahre hinweg hatten Faschisten den Gedenktag zur Zerstörung Dresdens am 13.02.1945 zum Anlass eines der größten Nazi-Aufmärsche in Europa genutzt. Doch diesmal wurden sie gestoppt! 12 000 Menschen waren dem Aufruf eines breiten Bündnisses "Dresden nazifrei" gefolgt, um den Marsch der Faschisten durch Blockaden zu verhindern. Mit dabei waren auch zwei volle Busse aus Frankfurt. Weitere 15 000 protestierten mit einer symbolischen Menschenkette in der Dresdner Altstadt.
Anfang November hatte sich das Bündnis „Dresden nazifrei“ in Dresden gegründet. Gewaltfrei aber entschlossen wolle sich das Bündnis für die Blockade des diesjährigen Nazisaufmarsches einsetzen. Das ist dem Bündnis aus etwa 2000 Einzelpersonen und 600 politischen und gesellschaftlichen Zusammenschlüssen gelungen.
Geschätzte 12 000 Menschen blockierten ab 9 Uhr Vormittag am 13. Februar die Zufahrtswege zum Bahnhof Dresden Neustadt, dem per Gerichtsbeschluss genehmigten Versammlungsort der Nazis. Die Blockaden dauerten in Eiseskälte acht bis neun Stunden. Die Menschen harrten aus.
Wir von der Frankfurter LINKEN hatten zwei Busse angemietet, sie waren bis zum letzten Platz besetzt, in den letzten Tagen mussten wir noch gut zwei Dutzend Menschen absagen, die noch mitfahren wollten. Die Fahrt durch die Nacht nach Dresden verlief ohne erwartete Polizeikontrollen – ursprünglich sollten Busse von möglichen Blockierern schon an der sächsischen Landesgrenze gestoppt werden.
Der Widerstand war gut organisiert. Erst unterwegs erhielten die jeweiligen Busverantwortlichen per SMS Auskunft, welchen Blockadepunkt sie ansteuern sollten. Einheinhalb Kilometer vor „unserem“ Blockadepunkt stiegen wir aus, bald trafen wir auf Polizeisperren, die aber nur schwach besetzt waren, sodass wir nach kurzer Zeit am Blockadepunkt kurz nach 10 Uhr ankamen. Zwei- bis dreitausend Menschen hatten sich vor einer Polizeikette „quer gesetzt“ oder gestellt. Ähnlich sah es an vier weiteren Blockadepunkten aus. Am Albertplatz auf der Ostseite spielten Constantin Wecker und andere Musiker gegen Nazis, immer wieder sprachen Vertreter des Widerstandes aus Parteien und Gewerkschaften. Das hat an „unserem“ Blockadepunkt etwas gefehlt. Denn es war sehr wichtig, immer wieder das Konzept des gewaltfreien aber entschlossenen Widerstandes zu erklären, den Menschen einen Überblick zu geben, wie es in ganz Dresden aussah. An der „Frontlinie“ unserer Blockade fand eine öffentliche und gemeinsame Fraktionsbesprechung der Landtagsfraktionen der LINKEN aus Hessen, Thüringen und Sachsen statt.
Der Naziaufmarsch war ab 12 Uhr mittags genehmigt. Aber erst mit dreieinhalbstündiger Verspätung hatten sie mit ca. 5600 Anhängern den Schlesischen Platz vor dem Bahnhof besetzt. Etwas später kam es zur Menschenkette auf der anderen Elbseite, in der Dresdener Altstadt. Dort versammelten sich noch einmal so viele Menschen, um im Zeichen der weißen Rose, Symbol des Widerstands gegen den Faschismus, eine Kette um die Altstadt zu bilden.
Die Frankfurter Rundschau hat in ihrem Bericht geschrieben, dass es wohl zumeist Auswärtige waren, die den Dresdenern in diesem Jahr „die Nazis vom Hals“ gehalten hätten. Aber auch das offizielle Dresden hat sich bewegt. Von einer Politik der stillschweigenden Tolerierung der Nazis als Teil eines gemeinsamen Gedenkens hat es sich immerhin zu einer klaren Absage gegen den „Missbrauch des Gedenkens“ durch die NPD durchgerungen. Insgesamt haben so etwa 25.000 Menschen gegen die Nazis demonstriert, nicht alle am „richtigen“ Ort, aber auch die Menschenkette hat dazu beigetragen, dass die Polizei in diesem Jahr auf eine gewaltsame Durchsetzung des gerichtlich verfügten Demonstrationsrechts der Nazis verzichtete. Der Polizeipräsident sprach von einer „Unverhältnismäßigkeit“ bei einer gewaltsamen Durchsetzung. Das zeigt: die antifaschistische Bewegung hat in Deutschland einen wichtigen Erfolg errungen. Doch die NPD hat bereits angekündigt, dass sie im nächsten Jahr wieder in Dresden marschieren wolle. Wir werden auch wider da sein aus Frankurt – hoffentlich mit vier Bussen statt mit zweien. Denn das wäre unser Beitrag zur Verdoppelung der Widerstandskräfte: No pasaran – sie werden nicht durchkommen!
Dresden nazifrei - Eine Analyse





