Unterdrückung von Frauen ist kein Nebenwiderspruch
Bei der aktuellen Protestbewegung im Iran fällt auf, dass gerade viele Frauen in der ersten Reihe stehen und sich mutig den Schlägern des Regimes entgegenstellen. Die durch die Kugeln eines Miliz-Angehörigen ermordete Neda, deren Sterben ein Amateurfilmer aufgenommen hatte, wurde per Internet zum traurigen Symbol der Revolte. Aber auch in Deutschland unter den Exil-Iranern und jungen Studenten spielen Frauen eine wichtige Rolle. Dies wurde gerade auch in den letzten Tagen bei einer Veranstaltung im Club Voltaire am Donnerstag und am Samstag 27.6. auf der großen Kundgebung am Frankfurter Römer deutlich. Linke Frauen aus dem iranischen Widerstand machten wortgewaltig klar, dass diesmal die Interessen und die Freiheit der Frauen eine führende Rolle haben müssen und nur so der Kampf gewonnen werden kann.
Während der Revolution gegen den Schah 1979 hatten viele linke Organisationen die Frauenfrage noch für eine Nebensache gehalten. Sie verpflichteten die eigenen Genossinnen zum Teil sogar, Frauenrechte nicht in den Vordergrund zu stellen, um die Islamisten nicht zu provozieren. Nur so konnte es passieren, dass viele Linke damals den fatalen Fehler machten, die Khomeini-Anhänger als mögliche Verbündete gegen USA und CIA anzusehen. Doch trotz aller antiimperialistischer Rhetorik hatten die nie im Sinn, eine irgendwie fortschrittlichere oder freiere Gesellschaft als vorher unter dem Schah zu errichten. Die Unterdrückung der Frauen war nur der Anfang. Nachdem sie die Frauenbewegung gewaltsam unterdrückt hatten, löschten sie anschließend auch alle linken Organisationen und Bewegungen durch Massenmorde fast aus. Bis heute ist das Regime der "Islamischen Republik" ebenso durch Hass auf selbständig denkende und handelnde Frauen wie durch brutale Unterdrückung von Gewerkschaften und sozialistischen Gruppen gekennzeichnet.
Gerade die traurige Geschichte dieser gestohlenen Revolution macht deutlich: Frauenrechte sind der Maßstab des gesellschaftlichen Fortschritts. Eine Revolution, die die Frauen demütigt und unter den Schleier zwingt, läuft in eine völlig verkehrte Richtung. Linke hätten das eigentlich auch schon früher wissen können: Bereits vor mehr als hundert Jahren hat der deutsche Sozialist August Bebel hierzu in seinem Buch "Die Frau und der Sozialismus" klare, damals unerhörte Worte niedergeschrieben. Das sollten sicher auch manche deutsche Linke nochmal aufmerksam lesen. Deswegen ist es gut, wenn Frauen sich - im Iran wie in Deutschland - gerade in einer Bewegung stark zu Wort melden und nicht zulassen, dass Ihre Interessen an den Rand gedrängt werden.



