Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher und Drogengebraucherinnen
Bei Sonnenschein und gut gelaunt trafen sich die ersten Teilnehmer_innen um 9 Uhr, um die Infostände aufzubauen. Um 9.30 erschienen dann endlich Angestellte des Ordnungsamts. Sie sollten eigentlich nur die Poller öffnen, damit die Fahrzeuge auf den Platz fahren konnten, waren jedoch der Meinung, dass die Genehmigung erst ab 17 Uhr gelte und forderten den sofortigen Abbau der Infostände. Nach einer einstündigen Diskussion mit den Damen und Herren war dann endlich geklärt, dass die Mahnwache durchgeführt werden konnte.
In den folgenden Stunden kamen viele Menschen zu den Ständen und informierten sich über die Hintergründe der Aktion, die unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans stand. Die ebenfalls eingeladene Presse machte sich leider rar.
Große Aufmerksamkeit erregten die 35 ausgelegten Holzkreuze, für jedes Drogen(prohibitions)opfer eines. Dazwischen ausgefüllte Kondolenzkarten und Schuhpaare, um zu verdeutlichen, dass hinter der anonymen Zahl Menschenschicksale stehen.
Um 17 Uhr formierten sich eine kleine Demo, die Polizist_innen, die den Protestzug begleiten sollten, waren vor Ort, das Ordnungsamt nicht. Schließlich kam die Feuerwehr, um uns die Poller zu offnen, damit wir losziehen konnten. Vorbei an verschiedenen Drogenhilfeeinrichtungen ging es durch’s Bahnhofsviertel zur Taunusanlage.
Im Lesegarten eröffnete Pfarrer Schade-James die Kundgebung mit einer Predigt. Viele der ungefähr 50 Zuhörer_innen waren tief bewegt. Jürgen Weimer vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt schilderte die Erfolge der kommunalen Drogenpolitik des „Frankfurter Wegs“ und kritisierte, dass die Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Kassen zur Diamorphin-Abgabe zu restriktiv seien und der Praxis angepasst werden müssen. Annette Ludwig vom Kreisverband Die.LINKE Frankfurt sprach von der Ungerechtigkeit, die durch die Drogengesetzgebung entstanden ist. Pharmadrogen sind legal erhältlich und können abhängig machen, sind aber gesellschaftlich akzeptiert, Rauschmittel dagegen sind illegalisiert und ihre Gebraucher_innen werden verfolgt und kriminalisiert. Neben weiterer Entkriminalisierung forderte sie mehr Prävention durch Aufklärung. Jo Biermanski, Pressesprecher der Grünen Hilfe, zeigte in seinem Redebeitrag Solidarität mit JES im gemeinsamen Kampf gegen Kriminalisierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Verschärfung der „Take-Home-Regelung“ in der Methadon-Substitutionsbehandlung. Die herrschende Prohibitions-Politik nannte er „Kriminalisierung einer unerwünschten Lebensweise“ ohne präventive Wirkung. Der Veranstalter Christian Holl von JES Frankfurt bezeichnete die Richtlinien des GBA zur Heroinvergabe als „Heroinabgabe-Verhinderungspapier ohne medizinische Begründung“ und forderte Nachbesserungen. Zum Abschluss verlas eine Teilnehmerin der Kundgebung eine Grußadresse von Carsten Labudda, Sprecher der BAG Drogenpolitik bei der Linken. Darin forderte er ebenfalls Nachbesserungen bei den Richtlinien zur Heroinvergabe, z. B. um auch in Nicht-Ballungsräumen Heroinambulanzen zu ermöglichen.
Es war ein anstrengender, aber erfolgreicher Tag.
Ingrid Wunn, Sprecherin der LAG Drogenpolitik



