Rosa und Karl - ermordet durch rechte "Staatsschützer"
Auf der Auftaktkundgebung betonte Volkhard Mosler vom Kreisvorstand der Linken in Frankfurt, dass es hier nicht um "Traditionalismus" gehe. Vielmehr gelte es der Aufforderung "Alles Lernen, nichts vergessen!" von Karl Liebknecht nachzukommen. Als einziger Abgeordneter des Reichstags hatte es Liebknecht gewagt, gegen die Kriegskredite zur Finanzierung des 1. Weltkriegs zu stimmen. Dabei hatte er nicht nur dem Druck der kaisertreuen Mehrheit im Parlament standzuhalten, sondern auch dem aus seiner eignen, der sozialdemokratischen Fraktion, die von der generellen Kriegsgegnerschaft der internationalen Arbeitbewegung zum Hurra-Patriotismus übergelaufen war. Kurze Zeit später wurde er unter fadenscheinigen Vorwürfen bis Kriegsende inhaftiert. "Das gaben zwar auch die kaiserlichen Gesetzte so nicht her", so Mosler, "Aber der Mann mit seinem starken Einfluss auf die Arbeiterjugend war den Herrschenden einfach zu gefährlich geworden."
Hauptredner auf der Abschlusskundgebung in der Basaltstraße war der Autor und Journalist Klaus Gietinger. Er widmete sich vor allem dem Luxemburg und Liebknecht-Mörder Waldemar Pabst. Pabst war der Chef des größten der Freicorps, die im Auftrag der - nach dem Zusammenbruchs des Kaiserreichs sozialdemokratischen - Reichsregierung, die revolutionäre Arbeiter- und Soldatenbewegung der Räte ausschalten sollte. Nachdem Pabst der beiden Arbeiterführer habhaft werden konnte, ließ er sie (mit Rückdeckung der Regierung) hinterrücks ermorden. Die Morde wurden offiziell nie aufgeklärt. Kein Wunder, da die mit der Aufklärung beauftragte "unabhängige" Untersuchungskommission doch aus Angehörigen eben dieses Freicorps bestand. Pabst konnte unbehelligt bis zu seinem natürlichen Tod im Jahre 1970 als Waffenhändler in der Bundesrepublik leben. Auch die Herausgabe einer rechtradikalen Zeitung und seine offene Unterstützung für die NPD gereichtem ihm nicht zum Nachteil. Im Gegenteil erfreute er sich bester Kontakte zu den westdeutschen Geheimdiensten. Ganz in dieser Tradition stehe auch noch der heutige Verfassungsschutz, der die aktuelle Mordserie aus der Neonaziszene mehr vertusche als aufkläre, so Gietinger. Unter Beifall der Versammelten forderte er deshalb die Auflösung des Verfassungsschutzes.
Für den kulturellen Teil der Kundgebung sorgten die Schauspieler Erich Schaffner und Bettina Kaminski. Schaffner steuerte in seinem bekannt ironischen Unterton Beiträge über den Wandel der Sozialdemokratie von der revolutionären Arbeiterpartei, über die patriotische, zur Regierungspartei bei. Bettina Kaminski vom Freien Schauspiel Ensemble Frankfurt gelang es Rosa Luxemburg vor den Augen ihrer Zuschauer wieder auferstehen zu lassen. Sie trug Teile des aus Originaltexten der Revolutionärin zusammengesetzten Dramas "Ich werde sein" vor.
Nachtrag: Auf der Kundgebung wurde auch eine Sammlung für die Finanzierung der Busse zur Nazi-Blockade am 18.02. in Dresden gemacht. Insgesamt kamen dabei 325,- Euro zusammen, mit denen auch Geringverdienern die Teilnahme an der Demonstration ermöglicht werden soll.
Volkhard Mosler erinnerte auch an Karl Liebknecht, der als einziger Reichstagsabgeordneter, den Kriegskrediten für den 1. Weltkrieg seine Zustimmung verweigerte.
Erich Schaffner, der auch "a capella" über die angepasste Sozialdemokratie lästerte.
Den Genossen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Gedenken durch Bockenheim.
Klaus Gietinger forderte als Lehre aus der Geschichte die Auflösung des Verfassungsschutzes.
Bettina Kaminski ließ mit ihrem mitreißenden Vortrag für einen Moment Rosa Luxemburg wieder auferstehen.




