Imagekampagne für wen?
Kein Mensch kann vernünftiger Weise etwas dagegen haben, wenn die Innenstadt modernisiert wird, wenn Stadtteile wie Gallus, Gutleut oder Bahnhofsviertel ein schöneres Gesicht und ein besseren Ruf bekommen. Die Frage ist nur: Kommen diese oft mit Steuermitteln finanzierten Anstrengungen auch den Menschen, die dort wohnen, zugute? Oder profitieren am Ende nur einige wenige Immobilienmakler und Nobelfirmen vom gestiegenen Niveau?
Im Gallus wollen der örtliche Gewerbeverein und verschiedene neu zugezogene Firmen sich um ein besseres Image für das Gallus bemühen. Der Sprecher der Initiative Jürgen Orth spricht von einem "gigantischen Potential" und meint damit Firmen wie BMW und internationale Banken, die sich immer öfter im Gallus ansiedeln. Nur: was bedeutet das für die Bewohner des Gallus? Vor einigen Jahren machte das Konzept des Immobilienfirma Ballwanz Furore. Die Makler sprachen ganz offen davon, „sozial schwächere Gruppen“ aus Gallus und Bahnhofsviertel an "neu zu entwickelnde Stadt-Randlagen" umzusiedeln. Dann erst würden die Viertel nahe der Stadtmitte attraktiv für Menschen mit hohem Einkommen und so könne sich dann ein „pulsierender Kern Frankfurts“ entwickeln. Das Vorhaben löste damals große Empörung aus - Politiker aller Parteien distanzierten sich. De facto aber läuft die Vertreibung längst und CDU, SPD, FDP und Grüne tun nichts gegen Mietsteigerung und den Rückgang an Sozialwohnungen.
In Stadtteilen wie Gallus, Gutleut und Bahnhof leben seit Jahren Menschen mit unterschiedlicher Einkommenssituation und unterschiedlicher Nationalität friedlich nebeneinander. Es gibt nur wenig Konflikte untereinander, aber es gibt es handfeste Probleme, die alle betreffen:
- Viele Jugendliche aus unseren Stadtteilen finden keinen Ausbildungsplatz. Werbekampagnen und freiwillige Verpflichtungen der Wirtschaft entpuppten sich regelmäßig als heiße Luft. DIE LINKE fordert deswegen ein Ausbildungszentrum im Gallus, wo die Jugendlichen eine normale bezahlte Berufsausbildung erhalten, statt immer nur mit Wartemaßnahmen abgespeist zu werden.
- Traditionell wurden weiterführende Schulen früher nur in gutbürgerlichen Vierteln wie dem Westend errichtet. Gesamtschulen vor Ort wie die Paul-Hindemith-Schule im Gallus brauchen eine gymnasiale Oberstufe, mehr Fördermittel und Lehrpersonal, damit sie für Eltern und SchülerInnen attraktiver werden.
- Viele Neubausiedlungen wie der Gallus-Park wurden an den Menschen vorbei geplant. Es fehlen Spielplätze, Jugendzentren, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Die Stadt muß die Investoren in die Pflicht nehmen, damit sie zu einer Lösung der durch sie verursachten Probleme angemessen beitragen.
Imagekampagnen mit Steuergeldern sind Geldverschwendung solange diese Probleme nicht angegangen werden. Jeder Euro den die Stadt an Vereine, Initiativen und Sozialeinrichtungen gibt, die konkret und mit viel Idealismus den Menschen helfen, ist besser angelegt, als für Hochglanzbroschüren und Marketingagenturen.
