2009 - 03.09. Veranstaltung "Gedenken an Rosa Luxemburg" mit Klaus Gietinger
Das Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht 1919 ermordet wurden, hat fast jeder als Schulwissen im Gedächtnis.
Das Sozialdemokraten wie in der Einladung zu der Veranstaltung erwähnt eine unrühmliche Rolle dabei spielten, war dem Berichterstatter weniger bekannt und machte ihn neugierig.
Klaus Gietinger schilderte einleitend, wie es zur Oktoberrevolution und der Etablierung von Arbeiter- und Soldatenräten gekommen war und las danach Passagen aus seinen Büchern „Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung Rosa Luxemburgs“ und „Der Konterrevolutionär Waldemar Pabst – Eine deutsche Karriere“ vor. In diesem Rahmen kann natürlich nur stichwortartig auf die vorgelesenen Texte eingegangen werden.
Wer jünger ist und es nicht erlebt hat, kann die seinerzeitigen Geschehnisse m. E. nach weder verstehen noch nachvollziehen.
Denn überall in Deutschland waren Arbeiter- und Soldatenräte entstanden, der (Mehrheits-) Sozialdemokrat Scheidemann hatte am 9.11.1918 die „deutsche Republik“ ausgerufen und war damit dem Führer des Spartakusbundes, Karl Liebknecht zwei Stunden voraus, der vom Balkon des Reichtags die „freie sozialistische Republik proklamierte. Die Chancen für einen Erfolg der Räte schienen groß. Doch die alte Elite der Marineoffiziere sann auf Rache für „die Schmach“, organisierte Offiziersbrigaden und Freikorps. Wilhelm Canaris als Organisator im Hintergrund und Waldemar Pabst als Befehlshaber der Garde-Kavallerie-Schützen-Division – eine der wenigen intakten, kampferprobten und rechtsnational gesinnten kaiserlichen Elitetruppe – taten sich besonders hervor.
Und fanden in Regierungschef Friedrich Ebert (M-SPD) und dem ersten sozialdemokratischen Minister für das Militärwesen, Gustav Noske (M-SPD), entscheidende politische Unterstützung.
Ebert hatte bereits Anfang Dezember Noske mit der Aufstellung von Freikorps aus heimgekehrten Frontsoldaten beauftragt und zusätzliche Einheiten nach Berlin beordert, um einen vor Weihnachten geplanten Rätekongress zu verhindern. Dies misslang zwar, aber er verhinderte im Zusammenwirken mit Wilhelm Groener, OHL, die wirksame Kontrolle des kaiserlichen Militärs durch die Räte. Am 24.12.1918 unterstützte er den Einsatz der Reichswehr gegen die „Volksmarinedivision“. Am 8.1.1919 gab er um der Ausweitung eines legalen Generalstreikes zuvor zu kommen dem Militär den Befehl, den Spartakusaufstand niederzuschlagen. Am 10.01. rückten zusätzlich die von Noske um Berlin zusammen gezogenen Freikorps in die Stadt ein.
Der überlegenen militärischer Ausrüstung und der Brutalität der Truppen – allen voran der erwähnten Garde-Division konnten die Revolutionäre nicht standhalten und die Novemberrevolution, die Ebert ja erst zur Kanzlerschaft verholfen hatte, war praktisch beendet. Ohne Verhandlung „standrechtlich hingerichtet“ oder „auf der Flucht erschossen“ wurden unzählige Bürger, die dem Militär als Unterstützer der Oktoberevolution verdächtig waren.
Waldemar Pabst hielt Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg für besonders gefährlich. Mit ihren sozialen Vorstellungen und ihrem Redetalent hatten sie viel Zuspruch erhalten. Jetzt sah er die Gelegenheit, sich beider zu „entledigen“. Mit Billigung von Gustav Noske „verhörte“ er persönlich beide im Berliner Hotel „Eden“. Danach ließ er sie von Offizieren seines Begleitkommandos ohne Gerichtsurteil - wie er es nannte - „richten“.
Liebknecht wurde im Auto noch blutig geschlagen, bevor er erschossen wurde. Ähnlich erging es Rosa Luxemburg, die im Auto so geschlagen wurde, dass ihr Blut aus Mund und Nase strömte. In geringer Entfernung vom Hotel wurde ihr aus allernächster Nähe die Schädeldecke weggeschossen und die Leiche in den Landwehrkanal geworfen. (Soviel zur „Elite der Nation“ !?!).
Diese feigen Morde erregten Aufsehen in der Öffentlichkeit, so dass das Militär einen Prozess nicht verhindern konnte. Der glich aber einer Komödie, denn die Richter des Feldkriegsgerichtes waren Kameraden der Mörder. Liebknechts Mörder wurde freigesprochen, Oberstleutnant Vogel, der denn Mord an Luxemburg auf sich nahm, konnte Dank der Hilfe von Canaris, der einer der Richter war, aus Deutschland fliehen (lt. Pabst war der wirkliche Mörder Leutnant Souchon nur als Zeuge geladen und wurde erfolgreich gedeckt.) Der eigentliche Verantwortliche, Waldemar Pabst, wurde nicht einmal angeklagt.
Klaus Gietinger hat mit vielen Beteiligten persönlich gesprochen oder mit Ihnen Schriftverkehr gehabt. Dies in Verbindung mit den feststehenden Tatsachen und persönlichen Briefen von Waldemar Papst stellt in meinen Augen sicher, dass seine Bücher der Wahrheit entsprechen. Was er vorgelesen hat, war ja nur ein (kleiner) Auszug. Das Taschenbuch „Eine Leiche im Landwehrkanal….“ informiert umfangreich und ist preiswert.
Dem Berichterstatter ist aus dem Schul-Geschichtsunterricht über diese Zeit noch der Satz „Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten!“ im Gedächtnis. Dieser Satz lässt ihn zum Schluss seines Berichtes einen Bogen zur Hessenwahl schlagen.
Andrea Ypsilanti hat - im Gegensatz zu der Politik von führenden Bundespolitkern der SPD - bei der Wahl 2008 wieder soziales Gedankengut in das Landeswahlprogramm aufgenommen und damit erhebliche Stimmen gewonnen. Hätte sich die Bundespartei für Frau Ypsilanti stark gemacht, hätte sie natürlich gleichzeitig bekennen müssen, dass IHRE Politik mehr den Interessen des Kapitals als denen der Mehrheit ihrer Wähler entspricht. Weil nicht sein kann was nicht sein darf haben deshalb sogar Führungspersönlichkeiten wie Struck und Müntefering gegen Ypsilanti Stimmung gemacht und billigend in Kauf genommen, dass der politische Gegner erneut Hessen regiert (denn man muss und darf davon ausgehen, dass keiner von beiden unbedachte Äußerungen von sich gab).
Die Fehler von Ebert und Noske haben offensichtlich bei der heutigen SPD keinen Lerneffekt gehabt!
